Leserbeitrag: „Ein Großteil der Gamer will gar keine MMOs spielen!“

Posted on Jul 21 2014 - 10:02pm by sandmann

Im Forum hat unser Stammleser Zeus schon mehrfach bewiesen, dass er sich mit Onlinespielen hervorragend auskennt. Grund genug für uns, ihn ein wenig ins Rampenlicht zu rücken und seinen jüngsten Beitrag als Kolumne zu veröffentlichen. [Anm. d. Red.]

Ein Großteil der Gamer will gar keine MMOs spielen!

The Secret World - das postapokalyptischste aller MMORPGs

Einfach mal mit Freunden zocken! Nicht jeder Online-Gamer sucht  unbedingt gleich ein MMORPG.

Ich weiß, dass diese Überschrift ziemlich gewagt ist, doch bitte lasst mich erklären, warum ich so denke und wie ich überhaupt auf solche Gedanken kommen konnte. Alles fing eigentlich damit an, dass mich vor ein paar Monaten ein Kumpel angequatscht hat und mich fragte, welches „coole MMO“ demnächst erscheinen würde. Meine Antwort darauf war: „Gar keins!“

Das war natürlich durch und durch gelogen, denn ESO stand kurz vor dem Release, WildStar war gerade in seiner Betaphase unterwegs und gute Nachrichten gab es auch – aus dem Hause Trion, wo gerade an ArcheAge gebastelt wird.

Ich tat es für die MMOs!

So, die Frage ist natürlich: Warum habe ich ihn angelogen? Dafür muss ich etwas ausholen. Mein Kumpel fing mit MMOs an, als WoW erschien (wie ein Großteil der anderen MMO-Spieler). Das ist an sich nichts Schlimmes, auch ich bin mit WoW in die MMO Branche eingestiegen. Wie sagt man so schön – irgendwann ist immer das erste Mal.

Doch der Unterschied ist, ich habe seit WoW viele andere MMOs ausgetestet – ob sie nach WoW erschienen sind oder davor, spielte für mich keine Rolle. Mein Kumpel wiederum blieb bei WoW und hofft seit Jahren darauf, dass der neue „WoW-Killer“ endlich erscheint und das Spiel für ihn und andere Spieler ablöst. Das wird aber nicht passieren, denn eigentlich hat er gar kein Interesse an MMOs.

Die Liste

Um das besser zu verstehen müssen wir uns anschauen was MMOs so an „Leistungen“ bieten und worauf mein Kumpel so steht. Schaut man sich die beiden Listen an wird schnell klar was ich eigentlich meine. 

MMOs bieten oder erfordern folgende Dinge:

  • Mit Freunden  spielen
  • zeitintensive Beschäftigung
  • abhängig von Gruppen und Gilden
  • Verständnis der Spielmechaniken
  • Features, die auch über lange Zeit fordern und unterhalten

 

Was mein Kumpel bzw. ein Großteil der Spieler suchen:

  • Mit Freunden spielen
  • wenig Zeit investieren
  •  Nur Gruppen und Gilden mit Freunden gründen oder unbekannten Gruppen oder Gilden beitreten wenn es absolut nicht mehr anders geht
  • Kein Interesse, sich mit Spielemechaniken auseinanderzusetzen
  • Hauptsache man ist schnell durch und nichts darf über längere Zeit fordern

Wie man recht schön sehen kann, überschneiden sich eigentlich nur der erste Punkt der beiden Listen. Und genau da liegt meiner Meinung nach der Hund begraben. Noch ein kleines Beispiel (sorry): Wie oft hat man den Spruch schon gehört: „Ich habe Familie, Arbeit usw. da habe ich keine Zeit für MMOs!“  Ich habe dafür absolutes Verständnis, aber warum spielen solche Leute dann trotzdem MMOs, obwohl sie offensichtlich gar keine Schnittmenge mit einem MMO haben, was ihre Vorstellungen anbelangt?

Traveler's Rest im Online-Game Destiny

Auch das Online-Game Destiny wird hier und da als MMORPG bezeichnet, um die vermeintlichen MMO-Fans zu gewinnen.

 

Mit Freunden spielen

Die Antwort verbirgt sich in der Zwischenüberschrift. Mit Freunden spielen – das ist das, was die Leute wollen. Sich einfach mal 30 bis 60 Minuten am Tag einloggen und mit Kumpels was Spannendes erleben. Das reicht dann aber auch. Ein MMO ist also eigentlich das falsche Spiel für diese Leute. Aber ich möchte da nicht nur den Spielern die Schuld gegeben, denn das wäre falsch! 

Die Entwickler tragen genauso eine Mitschuld daran. Über die Jahre hinweg suchten die Spieler nach Online-Spielen, die sie mit Freunden zusammen spielen können (Einer der Gründe warum Borderlands zu erfolgreich wurde!) und bekommen haben die Spieler nur MMOs, die ihren Online-Spielen ähnlich sind. Die Leute nahmen also das, was da ist und die Entwickler nahmen gerne die ganzen obdachlosen Online-Spieler auf. Schließlich gab es gut Geld dabei zu verdienen. 

Und so befanden sich beide Seiten in einer Abwärtsspirale. Die Spieler wollten immer leichtere und kürzere Spiele. Und die Entwickler waren bereit, das zu liefern und schnitten die MMOs immer weiter zurecht. Egal wie unsinnig der Schnitt war.

Vielleicht sind auch MMOs für dich nichts? 

 

ArcheAge Screenshot auf hoher See

Wenn die Verirrten das Genre verlassen haben, bekommen die echten MMORPGler vielleicht endlich wieder das, wonach sie suchen.

Doch so langsam scheinen die Entwickler dahinterzukommen, dass ein Großteil der MMO Spieler eigentlich gar keine MMOs als solches suchen, sondern nur ein Spiel, in dem sie mit ihren Freunden gemeinsam spielen können. Besonders Ubisoft scheint das erkannt zu haben und alle kommende Spiele von ihnen können mit Freunden zusammen online gespielt werden (meist mit bis zu vier Spielern).

Man kann also von einer Win-Win-Situation für alle drei Parteien sprechen. Die Spieler bekommen endlich die Spiele, die sie eigentlich schon von Anfang an wollten. Die Publisher werden ordentlich Umsätze damit generieren und die MMO-Spieler bekommen endlich wieder MMOs, die der obigen Beschreibung entsprechen.

Vielleicht solltet auch ihr euch überlegen, zu welcher Fraktion ihr gehört (mehrere Antworten sind zulässig).

Zeus