Forscher haben festgestellt: Gamer sind „keine asozialen Kellerbewohner“

Posted on Mrz 30 2014 - 11:04pm by sandmann

Wenn in seriösen Medien von Computerspielern die Rede ist, werden die Beiträge nicht selten mit fragwürdigem Archivmaterial unterlegt, das Vorurteile schürt und Gamern jenes negative Image aufstempelt, das sie laut einer aktuellen Studie gar nicht verdient haben. 

Im Gegenteil – für Nick Taylor, Kommunikationswissenschaftler an der North Carolina State University  steht mittlerweile fest: „Gamer sind nicht die asozialen Kellerbewohner, die wir in Popkultur-Stereotypen sehen, sie sind hochsoziale Menschen.“

Nachgegangen waren die Wissenschaftler um Taylor dem Phänomen, indem sie sich dorthin begeben haben, wo der gemeine MMO-Spieler für gewöhnlich in größerer Zahl zu finden ist – auf thematisch passenden Veranstaltungen, LAN-Parties und in Internetcafés. Unter anderem besuchten die Forscher das britische Gaming-Festival Insomnia, das mit über 2.500 Teilnehmern zu den größeren seiner Art zählt.

Forscher haben festgestellt: Gamer sind "keine asozialen Kellerbewohner"

Ansammlung von Gamern auf der Gamescom in Köln (Foto: mmorpg.eu)

Einsamer Nerd – eine aussterbende Spezies?

Auf den Veranstaltungen untersuchte das Team um Nick Taylor dann das Kommunikationsverhalten der mutmaßlichen Nerds, die ihre Freizeit gerne mit Spielen wie World of Warcraft oder EVE Online verbrachten. Die Überraschung: Stereotypische, unkommunikative Einzelgänger sind innerhalb der Spielerschaft die Ausnahme, nicht die Regel. Für Taylor steht fest: „Gaming hat soziale Interaktionen nicht eliminiert, sondern ergänzt“.

Neben dem Spielvorgang an sich hätten sich die Spieler auch der ganz normalen Interaktion gewidmet. Man habe beobachten können, wie sie einander beim Spielen und Chatten zuschauten und ausgiebig verbal miteinander kommunizierten.

Die Forscher stellten außerdem fest, dass die Spieler eine starke Bindung zu ihren virtuellen Avataren besitzen, die Identifikation für gewöhnlich jedoch auch Grenzen hat. So agierten Spieler in der virtuellen Umgebung durchaus schon mal rücksichtslos, außerhalb des Spiels allerdings verhielten sie sich dann wieder vollkommen normal.

Gaming ist nicht gleich Gaming

Was die Definition „Gaming“ an sich betrifft, so haben Spieler laut der Studie übrigens eine andere Vorstellung als die Allgemeinheit: Gaming wird als Sozialaktivität verstanden, bei der es keine Rolle spielt, ob man selbst im Spiel aktiv ist oder anderen bei der Ausübung entsprechender Tätigkeiten zusieht.

Allerdings warnte die Studie, die in Kooperation mit Forschern der York University und des University of Ontario Institute of Technology erstellt wurde, vor Verallgemeinerung in Bezug auf die Fangemeinden, denn in denen gebe es längst Mitglieder, die das favorisierte Spiel selbst gar nicht mehr spielten.

Abweichen könnte laut Taylor außerdem die Beziehung zwischen Gamig und Sozialverhalten in anderen Kulturkreisen, worauf schon die Machart vieler asiatischer MMOs hindeute.

Quelle:

Studie der NC State University